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Das Kunstseminar vermittelt eine rein malerische und zeichnerische Ausbildung.
Es geht nicht ausschliesslich darum, Kunst als Beruf zu lernen, sondern - im Hinblick auf die wichtige Stellung
der Kunst in der heutigen Gesellschaft - ihre Eingliederung in das tägliche Leben zu fördern.
Entscheidend ist nicht das "Talent", sondern Begeisterung, Wille und Ausdauer. Anstelle einer besonderen
Begabung liegt das Gewicht auf einer Fähigkeit, die allen Menschen erreichbar ist, auf der sensiblen
und ausgebildeten Sehfähigkeit.
Es gibt vier Ebenen, auf denen sich die Besucher des Kunstseminars mit der Malerei auseinandersetzen können.
1. Ausbildung zur Malerin / zum Maler
Die Ausbildung zum Maler stützt sich auf das einzige Kunstereignis, das zu keiner vorübergehenden
Kunstrichtung gezählt werden kann. Dieses Ereignis ist der Impressionismus, der die fundamentale Entdeckung
des Sehens als allgemein gültigen Grundwert der modernen Kultur erkennt und somit die Kunst von den Zwängen
sich abwechselnder Stilrichtungen befreit. Das impressionistische Sehen geht über die Beobachtung und das
Studium der Natur im vorimpressionistischen Sinne hinaus, indem es das sinnliche Erleben der Natur in den
Mittelpunkt stellt. Für Cézanne war jede farbige Wahrnehmung eine "Annäherung an Gott". Damit hat er dem
Sehen qualitative Werte zugeteilt, die man nie zuvor einem sinnlichen Organ zuzutrauen gewagt hätte. Er hat
das neue, schöpferische Sehen entdeckt. Das Auge hat beim Malen nicht zu vermitteln, sondern selber zu malen.
Das Kunstseminar stellt sich die Aufgabe, individuelle Entwicklungen anbahnen zu helfen, in denen die Kunst
des Sehens unendlich gesteigert werden kann.
2. Erweiterung der allgemeinen Bildung
Das Sehen ist also nicht als Mittel, sondern vielmehr als Ziel der Kunst zu verstehen. Mit diesem Ziel
wendet sich der Impressionismus an die Öffentlichkeit, um ihr nicht nur Bilder zu zeigen, sondern die Kunst
des Sehens zu vermitteln. In diesem Sinne hat der Impressionismus nicht nur eine grundlegende Bedeutung
für die moderne Malerei, sondern auch für das moderne Leben.
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Die Besucher des Kunstseminars, die nicht Maler
werden wollen, sondern sich mit der Malerei befassen, um das persönliche Kulturleben zu erweitern, verfolgen
das gleiche Ziel: die Kunst des Sehens. Seitdem das Sehen im Zentrum der neuen Kunst steht, ist es auch
ein grundsätzlicher Bestandteil der neuen allgemeinen Bildung. Wenn man also im neuen Sinne sehen lernt,
leistet man einen schöpferischen Beitrag zur allgemeinen Kulturentfaltung.
3. Kunstorientierung
Kunstorientierung heisst, sich in der Welt der Kunst und ihrer Geschichte zu orientieren, und zwar mit dem
Ziel, die gegenwärtige Situation der Kultur zu verstehen. Sie ergibt sich nämlich aus dem schöpferischen Prozess
der Geschichte und stellt uns vor ganz bestimmte Aufgaben. Diese als schöpferische Notwendigkeit zu erkennen,
bedeutet den Raum unserer Freiheit und unserer Schöpferlust gefunden zu haben. Die Kunstorientierung beinhaltet
Vorträge, Gespräche und Bildbetrachtungen. Sie steht allen Besuchern des Kunstseminars offen und kann auch von
denjenigen besucht werden, die sich ausschliesslich für theoretische Fragen der Kunst und der Kunstgeschichte
interessieren.
4. Freizeitbeschäftigung
Auch bei den Besuchern des Kunstseminars, die das Malen als Freizeitbeschäftigung verstehen, bleibt die
Zielsetzung unverändert. Denken wir an die Musik, wo die vielen Musikliebhaber ihr Instrument nach den gleichen
Gesetzen spielen wie die Virtuosen und die Komponisten. Diese aus dem privaten Interesse gepflegte Musik bildet
das lebendige Milieu, aus dem die berufenen Künstler entstehen können. In der Malerei ist es ebenso. Deshalb
soll sich auch die Malerei als Freizeitbeschäftigung auf die gleichen Grundbegriffe stützen wie jene der
berufenen Maler.
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